Sonntag, 28. Februar 2016

Luigi Carlotti, Kapitel 4 (Auszug)


Der Tag an dem wir uns nützlich machen wollten
Kaaaaaaaatz, was für eine Aufregung… Ihr glaubt ja nicht, was hier los war. Aber ich fange wohl besser Vorne an zu erzählen.
Gestern kamen unsere Dosenöffner ganz schön spät nach Hause. Oscar, unser Wirbelwind, tollte wieder mal den kompletten Tag durch die Gegend, zupfte hier an BelleAmie, da an Shiloh, dort an Carlos, bis er wohl auf die glorreiche Idee kam sich meiner Wenigkeit zu nähern. Ich muss sagen „ I was not amused!“ Immerhin war ich gerade dabei mein 15 Uhr Nickerchen zu beginnen. Dieses ist nach dem 14, 15 Uhr- und dem 10.23 Uhr Nickerchen liebstes und im offiziellen Nickerchen-Ranking ganz oben angesiedelt. Oscar lief also auf mich zu und ich überlegte schon einmal was er um diese Zeit von mir wollen könnte. Denn, seit er bei uns eingezogen war, hatte ich bereits einen Haufen anstrengender Erziehungsarbeit geleistet und ihm mittlerweile, so dachte ich zumindest, verständlich gemacht, dass ich zu Zeiten der im Ranking höchst angesiedelten Nickerchenzeiten nicht gestört werden wollte. Doch das schien ihm wohl entweder entfallen oder komplett egal zu sein. Während ich also noch grübelte was ihn dazu brachte mich aufzusuchen, war Oscar nur noch wenige Schritte entfernt. Ich musste mir schnell etwas einfallen lassen, um mein kostbares und  unersetzliches 15 Uhr Nickerchen pünktlich beginnen zu können. Denn egal, was Oscar wollte, so schnell würde ich ihn nicht abwimmeln können. Zu spät: „Luuuuuiiigiiiiiiiiiiii“, hörte ich ihn schon quietschen, „Luiiiiggggiiiii, duuuuuu…..“
„Kaaaaatz, was willst du?“, fragte ich in meinem mürrischsten Ton in der Hoffnung es würde ihn abschrecken und ihn den Rückzug antreten lassen. „Du, Luigi, ich hab da so eine Idee.“ Oh nein, eine Idee. Das konnte nichts Gutes verheißen. Oscars Ideen brachten uns, oder zumindest einen von uns meist in Schwierigekeiten. „Egal, was es ist: Vergiss es! Aber ganz schnell. Und jetzt ist Ruhe, mein 15 Uhr Nickerchen beginnt gleich.“
Stille. Nichts. Kein Piep. Oscar drehte sich um und marschierte davon. Das fand ich schon ein wenig seltsam, denn Oscar ließ sich nie von einer Idee abbringen. Aber gut, irgendwann musste meine Erziehung ja Früchte tragen. Zufrieden legte ich meinen Kopf auf die Vorderpfote, schloss die Augen und…
Plötzlich machte es einen „Wummmms“ und etwas begann laut zu toben und zu schnauben. Ich konnte gerade noch sehen, wie Oscar in einem Affentempo aus dem Zimmer rannte und sich dabei beinahe überschlug, weil seine Hinterpfoten wieder einmal schneller arbeiteten als seine Vorderpfoten… Das Schnaufen und Toben kam aus der hinteren Ecke des Zimmers. Dort stand dieses große ungesprächige, teilweise beängstigende Monster, das Dosenöffnerpapa öfters in der Wohnung an einer Leine Gassi führte. Sobald man die Leine in eine Öffnung in der Wand steckte begann es zu Toben und Schnauben. Genauso wie jetzt. Wenn Dosenöffnerpapa es nicht beachtete, lag es einfach nur faul rum und gab keinen Ton von sich. Normalerweise ließen wir uns nicht mehr von dem Toben und Schnauben einschüchtern. Schließlich war Doesenöffnerpapa stets in der Nähe, wenn das Monster unterwegs war. Nun aber war das anders. Oscar war bereits im Wohnzimmer angekommenund versteckte sich dort unter Dosenöffnermamas Kuscheldecke auf dem Sofa. Shiloh, BelleAmie und Carlos wurden von dem Geschnaube wohl auch ein Wenig (oder etwas mehr) unruhig. Jedenfalls Jedenfalls war ein wildes Durcheinandergerenne in der Wohnung im Gange. Schlussendlich hatten wohl alle vier ein ihnen ansprechendes Versteck gefunden und es kehrte Ruhe ein. Naja, in diesem Moment von Ruhe zu sprechen, war wohl ein wenig übertrieben. Denn das Monster schnaubte und tobte ohne Unterlass weiter. Doch dieses „Ding“ würde mir mein 15 Uhr Nickerchen nicht verderben. Ich legte meinen Kopf auf die Vorderpfoten, schloss die Augen und schlief ein. Mein 15 Uhr Nickerchen ging wohl nahtlos in mein 17.15 Uhr Nickerchen über. Denn ich wurde erst wach, als meine Dosenöffnereltern die Tür aufschlossen. Das Monster tobte und schnaubte immer noch. Ich wusste, das würde unsere Dosenöffner nicht erfreuen. Also machte ich die Augen schnell wieder zu und stellte mich schlafend. Denn wer schläft, kann keine Monster wecken. Und keine Monster wecken können, heißt keinen Ärger bekommen. Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, dass das tobende, schnaubende Monster das kleinste Übel war. Dosenöffnermama  war mittlerweile oben an der Treppe angekommen. Ich musste natürlich die Lage checken und beobachtete alles ganz genau, aber äussert vorsichtig, um nicht enttarnt zu werden. Sofort erkannte Dosenöffnermama das Problem und brachte das Monster zum Schweigen. Dosenöffnerpapa ging währenddessen in Richtung Wohnzimmer. Gleich darauf vernahm ich einen Schrei. Dosenöffnerpapa riss die Türen zum Balkon und alle Fenster auf und rannte in die Küche. Mit einer großen weißen Papierrolle ging er zurück ins Wohnzimmer.


Genug für heute. Das reicht erst einmal an Aufregung...

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